Warum und zu welchem Zwecke forschen wir?

Ziel der Professur ist die erkenntnisorientierte, wissenschaftstheoretisch reflektierte Forschung.

Inhaltlich sollen unsere Forschungsarbeiten:

(1)    dazu beitragen, menschliches Verhalten in ökonomisch relevanten Kontexten besser zu verstehen,

(2)    darauf aufbauend theoretische Ansätze (weiter) zu entwickeln, die eine Ableitung praktisch normativer Gestaltungsempfehlungen erlauben, sowie

(3)    einen Beitrag dazu leisten, innovative Entwicklungen und Technologien aus einer eher breit angelegten interdisziplinären und empirischen Perspektive in die Marketingdisziplin gestaltend zu integrieren.

Unsere Forschungsarbeiten sind eher problemorientiert-phänomenologisch als methodisch angelegt und verstehen den Betrieb, dem modernen Marketingverständnis entsprechend, als eine in soziale Kontexte eingebettete, empirisch besonders zugängliche Entität, für die insbesondere die Gestaltung der Schnittstelle zum Absatzmarkt erfolgskritisch ist.

Da der Gestaltung absatzmarkpolitischer Maßnahmen ein Verständnis des Käufer- und Konsumentenverhaltens vorgelagert ist, sollen insbesondere auch interdisziplinäre, verhaltenswissenschaftliche Aspekte in der Forschung adressiert werden, ohne dabei die damit verbundene positivistische Problematik zu verkennen.

Der relativ breiten Denomination der Professur entsprechend sollen die folgenden Problemfelder und Fragen fokussiert werden, die sich, etwas vereinfachend, den Bereichen angewandte Forschung, interdisziplinäre Transferforschung sowie Grundlagenforschung zuordnen lassen.

1. Sustainable Marketing Management: Wie kann ein nachhaltiges Marketing betrieblich zielkonform gestaltet werden? Wie können Zielkonflikte aufgelöst werden? Was bedeutet dies für das strategische und operative Marketing? Wie muss Nachhaltigkeit kommuniziert werden?
 
In diesem Themenfeld angesiedelte, ausgewählte Publikationen des Lehrstuhls:

 - Meffert, H./ Kenning, P. / Kirchgeorg, M. (Hrsg.): Sustainable Marketing Management - Grundlagen und Cases, Nachhaltiges Marketing Management für unsere Zukunft, Springer Fachmedien Wiesbaden ISBN 978-3-658-02436-9

 - Meise, J. N., Rudolph, T., Kenning, P. & Philips, D. M. (2014). Feed Them Facts: Value Perceptions and Consumer Use of Sustainability-Related Product Information. Journal of Retailing and Consumer Services, 21, pp. 510-519.

2. Vertrauensmanagement in digitalen Märkten: Welche Faktoren beeinflussen den Aufbau und die Rückgewinnung von Vertrauen in digitalen Märkten? Welchen Einfluss haben unterschiedliche Kommunikationsformen (z.B. Mobile Media, Avatare) auf den Vertrauensaufbau? Wie können diese Erkenntnisse für betriebliche Zwecke u.a. im Bereich der inner- und zwischenbetrieblichen Kooperation (z.B. im Bereich des Managements von (sozialen) Netzwerken) genutzt werden?

In diesem Themenfeld angesiedelte, ausgewählte Publikationen des Lehrstuhls:

- Riedl, R., Mohr, P., Kenning, P., Davis, F. & Heekeren, H. (2014). Trusting Humans and Avatars: A Brain Imaging Study Based on Evolution Theory. Journal of Management Information Systems. 30(4), 85-116

- Riedl, R., Hubert, M. & Kenning, P. (2010): Are There Neural Gender Differences in Online Trust? An fMRI Study on the Perceived Trustworthiness of eBay Offers. In: MIS Quarterly, Vol. 34, No. 1, pp. 397-428.
 
3. Verbraucherwissenschaft, -politik und Kartellrecht: Wie sind kartellrechtliche Instrumente und kartellbehördliche Interventionen marketing-, verbraucherwissenschaftlich und -politisch zu bewerten? Ist Wettbewerb aus Sicht der Verbraucher nicht eher ein Optimierungs- als ein Maximierungsproblem (Stw. Leapfrogging, Customer Confusion)? Welche Implikationen haben aktuelle kartellrechtliche Entwicklungen für das vertikale Marketing in entwickelten Distributionssystemen?

In diesem Themenfeld angesiedelte, ausgewählte Publikationen des Lehrstuhls:

- Schreiner, N., Kenning, P. (2017): Historische Rahmenbedingungen verbraucherrelevanter Datensammlungen. In Kenning, P., Oehler, A., Reisch, L., Grugel, C. (Hrsg.): Verbraucherwissenschaften - Rahmenbedingungen, Forschungsfelder und Institutionen, 1. Auflage, Wiesbaden: Springer, S. 81-102.

- Ahlert, D., Kenning, P., Olbrich, R. & Schröder, H. (2011): Vielfalt durch Gestaltungsfreiheit im Wettbewerb der Konsumgüterdistribution - ein ökonomisches Manifest, Verlag C.H. Beck ISBN-10: 3406627447.

- Kenning P., & Wobker, I. (2012): Affektive und kognitive Verhaltensstrategien zur Überwindung von Informationsasymmetrien im Konsumgüterhandel - eine empirische Analyse mit kartellrechtlichen Implikationen. In: Betriebswirtschaftliche Forschung und Praxis (BFuP), 64(6), 626-642.

4. Innovations- und Technologie-und Handelsmarketing: Schwerpunkt Effizienz und Kundenakzeptanz (z.B. Self-Service-Technologies im Handel): Kann mit Hilfe von SST/Prosuming die Porter ́sche Dichotomie zwischen Preis- und Qualitätsführer gelöst werden? Wann ja, unter welche Bedingungen und wie? Welche (absatzwirtschaftlichen) Potenziale bieten diese Verfahren? Welche Rolle spielen emotionale Aspekte (Vertrauen, Intuitionen, Heuristiken etc.) in diesem Zusammenhang? Welche personalpolitischen und organisatorischen Aspekte sind dabei zu beachten (z.B. Personalakzeptanz)?


In diesem Themenfeld angesiedelte, ausgewählte Publikationen des Lehrstuhls:

- Evanschitzky, H. Kenning, P., Pillai, K., Iyer, G. R. & Schütte, R. (2015). Service Innovations in Retailing. Consumer Trial, Continuous Usage and Economic Benefit. Journal of Product Innovation Management, Nr. 32(3), S. 459-475.

- Haas, A. & Kenning, P. (2014). Utilitarian and hedonic motivators of shoppers' decision to consult with salespeople. Journal of Retailing. doi: 10.1016/j.jretai.2014.05.003.
 
5. Consumer Neuroscience: Wie kann impulsives und kompulsives Kauf- und Konsumverhalten auf einer neurobiologischen Ebene beschrieben werden? Welche Maßnahmen lassen sich aufbauend auf diesen Beschreibungen ableiten (Behavioral Engineering)? Kann die Konnektivität zweier Hirnareale einen Hinweis darauf geben, wie stark die diesen Hirnarealen inhärenten kognitiven und affektiven Funktionen miteinander verbunden sind (z.B. in Form von Korrelationen)? Welche neuralen Mechanismen sind mit dem Verhalten im „uncanny valley“ und allgemein mit dem menschlichen Verhalten im Kontext der Mensch-Maschine-Interaktion verbunden?

In diesem Themenfeld angesiedelte, ausgewählte Publikationen des Lehrstuhls:

- Hubert, M., Florack, A., Gattringer, R., Eberhardt, T., Enkel, E., Kenning, P. (forthcoming): Flag up! - Flagship Products as Important Drivers of Perceived Brand Innovativeness, in: Journal of Business Research.

- Rampl, L., Opitz, C., Welpe, I., Kenning, P. (2016):  The role of emotions in decision-making on employer brands: insights from functional magnetic resonance imaging (fMRI), in: Marketing Letters, Nr. 27(2), S. 361-374.


- Kenning, P. (2014): Consumer Neuroscience – ein transdisziplinäres Lehrbuch, Kohlhammer-Verlag, ISBN 978-3-17-020727-1.

- Welpe, I./Weber, E./Kenning, P. (2014): Neuroeconomics, Schmalenbach Business Review Sonderheft 5/14, ISBN: 978-3-942543-39-2.

- Linzmajer, M., Hubert, M., Eberhardt, T., Hubert, M., Fojcik, T. & Kenning, P. (2014). The Effect of Glucose Consumption on Consumers` Price Fairness Perception. Schmalenbach Business Review. Nr.5/2014

- Hubert, M., Hubert, M., Florack, A. & Kenning, P. (2013): "I see it, I buy it." -Buying Impulsiveness as a Moderator of Neural Responses During the Perception of Attractive Product Packages. In: Psychology and Marketing, Vol. 30, No. 10, pp. 861-873.

- Dimoka, A., Kenning, P. et al (2011): On the Use of Neurophysiological Tools in IS Research: Developing a Research Agenda for NeuroIS. In: MIS Quarterly, 36(3), 679-A19.
 
6. Management sozialer Innovationen / Sharing: Welche Determinanten treiben die nachhaltige Akzeptanz sozialer Innovationen (z.B. im Bereiche Social Entrepreneurship/Social Franchising)? Lassen sich soziale wear-out-Effekte i.S.e. eines abnehmenden Grenznutzens beobachten? Gibt es dort Varianz? Gibt es spezifische Bindungsprobleme („not-invented-by-me-Syndrom“, Neid)? Wie können diese ggfs. erklärt werden? Was sind die Determinanten und Outcomes von Social Discounting in diesem Zusammenhang? Was sind die Erfolgsfaktoren im Social Entrepreneurship?

In diesem Themenfeld angesiedelte, ausgewählte Publikationen des Lehrstuhls:

- Strombach, T., Jin, J., Weber, B., Kenning, P., Shen, Q., Na, Q. & Kalenscher, T. (2013): Charity Begins at Home – Cultural Differences in Social Discounting and Generosity. In: Journal of Behavioral Decision Making. DOI: 10.1002/bdm.1802.

- Wobker, I. & Kenning, P. (2013): Destructive Effects of Envy in an economic game setting, In: Schmalenbachs Business Review, Vol. 65, 174-196.

- Strombach, T., Weber, B., Hangebrauk, Z., Kenning, P., Karipidis, I.I., Tobler, P.M., Kalenscher, T. (2015): Social discounting involves modulation of neural value signals by temporo-parietal junction, PNAS, 112(5).

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